Handwerkliche Weine abseits des Mainstream
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Weingut Kloster am Spitz - Thomas Schwarz

Thomas Schwarz, Revoluzzer und Weinpunk - oder: Der mit dem Rohrwolf tanzt

„Follow through make your dreams come true don’t give up to fight you will be alright“ („Invincible“ – Muse)

Seinen Traum verwirklichen, kompromisslos seinen Weg gehen und sein eigenes Ding machen – Thomas Schwarz, der ehemalige Revoluzzer und Mitglied einer Punkband, hat sich ganz bewusst entschieden, Winzer zu werden, um genau das zu tun. Erst der Umweg über ein trockenes Informatikstudium brachte ihn zu der Erkenntnis, dass seine Leidenschaft der Natur und dem Schaffen von etwas Fassbarem gilt.

Das Weingut von Thomas Schwarz ist ein ehemaliges Kloster  und liegt in Purbach, am Westufer des Neusiedlersees zu Füßen des Leithagebirges. Nähert man sich der Tordurchfahrt, fällt einem sofort das steinerne Kreuz der alten Klosterpforte ins Auge, das original erhalten geblieben ist und nun stilisiert die Weinetiketten des Weinguts Kloster am Spitz ziert. Das Weingut, das der Winzer liebevoll sein Baumhaus nennt, befindet sich auf einer Anhöhe inmitten einer malerischen, wild-romantischen Naturkulisse, modern gestaltet aus Holz und Stahl mit riesigen Fensterflächen, von denen aus man den Blick ins Grüne genießen kann. Hier ist sein bevorzugter Zufluchtsort, hier kommen ihm die besten Ideen – und hier durften wir mit ihm bei unserem Besuch seine außergewöhnlichen, oft auch eigenwilligen Weine verkosten, auf einer Terrasse, die über dem Abgrund schwebt, umgeben vom burgenländischen Dschungel und eingehüllt in das weiche Licht des Sonnenuntergangs über dem Neusiedlersee.

Thomas Schwarz geht in vielerlei Hinsicht andere Wege. Das beginnt bereits im Weingarten – Bio ist sein Weg. Bio, das bedeutet für ihn begrünter, lebendiger Boden, kein synthetisch-systemischer Pflanzenschutz und ein intaktes Ökosystem. Aufmerksam beobachtete Thomas Schwarz schon immer die Mechanismen der Natur und wie jeder Eingriff eine Wirkung verursacht, auch wenn diese vielleicht nicht immer sofort zu sehen oder zu spüren ist. Seine Reben verwöhnt er keineswegs, denn schwelgen sie im Überfluss, werden sie anfällig und faul, ganz ähnlich einem menschlichen Individuum. Vollreife und gesunde Trauben sind das Ziel, denn nur dann schmecken die Weine wirklich gut – weniger ist hier viel mehr. Thomas Schwarz hat bereits 2005 begonnen, auf organisch-biologische Arbeitsweise umzustellen und sich damit auf eine Reise zum Wesentlichen im Weinbau begeben – eine Rückbesinnung zur Natur. Seit September 2008 ist sein Weingut biologisch zertifiziert.

„Precious and fragile things need special handling“ („Precious“ – Depeche Mode)

Auch im Keller verfolgt er kompromisslos seine eigenen Vorstellungen davon, wie Wein schmecken soll. Im Kloster am Spitz erzeugt man keine allzu modischen Weine, keine gefälligen Schmeichler oder Barrique-dominierte Kraftpakete, vielmehr sucht Thomas Schwarz im Wein die Frucht der Traube und den Charakter des Bodens, von dem die Trauben kommen. Und der Boden am Leithaberg verleiht seinen Weinen nun einmal eine klare, frische Frucht und ungeschminkte Mineralität. Bravweine sucht man hier vergeblich, Finesse und Terroir-Ausdruck sind ihm wichtiger als verkaufsorientierter Mainstreamgeschmack, puristisch und ohne Firlefanz – ein Grund mehr, warum wir seine Weine so lieben! Wer mineralische und vielschichtige Weine mit kühler Stilistik sucht, ist hier richtig.

Das Barrique hat bei Thomas Schwarz darum auch schon lange ausgedient. In seinem Keller finden sich ausschließlich große und noch größere Fässer, alles Eichenfässer mit mindestens 500 Litern Fassungsvermögen. Der Wein reift in diesen großen Fässern langsam, ohne geschmackliche Beeinflussung durch das Holz. Natürlichkeit mit Bestand statt überschminkter Schönheit ist das Motto von Thomas Schwarz – das mag im Burgenland einer kleinen Revolution gleichkommen, aber Thomas Schwarz war eben noch nie einer, der sich dem Mainstream angepasst hat.

Die Trauben aus jedem noch so kleinen Weingarten werden bei Thomas Schwarz separat in offenen Holzbottichen ohne jegliche Temperatursteuerung vergoren – back to the roots eben. Lange Maischestandzeiten bis zu über 100 Tagen und mindestens zweijährige Reifezeit im Fass sind Programm, je nach Charakteristik der Weine werden die einzelnen Fässer später miteinander vermählt – und erst wenn die Weine den Vorstellungen des eigensinnigen Winzers voll und ganz entsprechen, kommen sie auf die Flasche.

Die Weingärten von Thomas Schwarz liegen am Leithaberg, wie das Leithagebirge im Volksmund genannt wird. Das Leithagebirge bildet als letzter Ausläufer der Alpen eine direkte Verbindung hin zu den Karpaten. Von den bewaldeten Hängen strömt auch im Hochsommer nachts kühler Wind durch die Rebzeilen. Die erheblichen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht lassen die Trauben langsamer reifen, wodurch Frucht und Säure besser erhalten bleiben. Die Böden sind geprägt durch den sog. Leithakalk, eine tiefe, reine Kalkschicht mit zahlreichen fossilen Elementen, insbesondere fossile Muscheln, die man mit ein wenig Glück bei einem Streifzug durch die Weingärten findet.

Zu rund 70% sind in den Weingärten Rotweinreben ausgepflanzt, wobei Blaufränkisch nicht nur mengenmäßig im Mittelpunkt steht. Seit 2006 baut Thomas Schwarz mit den Single Vineyard-Weinen Eisner und Rohrwolf zwei kleine Parzellen mit über 50-jährigen Reben reinsortig aus. Hier zeigt der Winzer, was Blaufränkisch kann, und welchen unterschiedlichen Charakter diese Rebsorte je nach Standort aufweisen kann – von warm und feurig (aber dennoch mit einer dunklen, kühlen Mineralität im Hintergrund) im Rohrwolf, aus der heißesten Lage, bis hin zu schlank, sehr kühl und straff aber nicht minder tiefgründig im Eisner, aus der kühlsten Lage. Diese beiden Weine polarisieren – aber so soll es ja auch sein. Bei den Weißweinen widmet sich Thomas Schwarz vor allem Chardonnay und Weißburgunder, die er in seinem weißen Flaggschiff „Muschelkalk“ vermählt. Außerdem baut er noch Pinot Noir, Syrah, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot an, für die Weißweine zudem Grünen Veltliner, Sauvignon blanc und – eine seiner besonderen Spielereien, an denen der Winzer sichtlich Spaß hat – Rosenmuskateller aus Südtirol für einen süßen Roséwein, idealer Begleiter z.B. zu Gänseleber, oder einfach so zum Spaß!

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